German Association of Computing in Civil Engineering (GACCE)

In Memoriam Klaus-Peter Holz

Am 16. März 2022 verstarb unerwartet nach kurzer Krankheit Prof. Dr.-Ing. Klaus-Peter Holz. Wir, die Kollegen der Bauinformatik, trauern mit seiner Familie im Abschied von einem guten Freund und langjährigen Kollegen, mit dem wir sehr vertraut waren und eng zusammengearbeitet haben.

Peter Holz, wie wir ihn kurz nannten, war ein exzellenter Hochschullehrer und international renommierter Wissenschaftler, der die Lehre und Forschung in unserem Fachgebiet in besonders anerkennenswerter Weise entwickelt und vorangebracht hat. Nach dem Abschluss des Bauingenieurstudiums mit der Vertiefung im Konstruktiven Ingenieurbau an der TH Hannover begann 1965 sein beruflicher Werdegang zunächst als Software-Ingenieur. Im Jahre 1968 wurde er dann Assistent bei Prof. Dieter Withum am neu gegründeten Lehrstuhl für Strömungsmechanik mit der Abteilung Elektronisches Rechnen im Bauwesen. Unter der Anleitung von Prof. Withum und ausgehend von dessen großen Erfahrungen mit dem Zuse-Rechner Z23 war es eine herausfordernde Aufgabe, numerische Rechenmodelle für den Konstruktiven Ingenieurbau und das Wasserwesen zu entwickeln und auch die neuen Programmier- und Finite-Elemente-Methoden in der Lehre zu vermitteln. Es begann damals eine wahre Pionierzeit in der Grundlagenentwicklung numerischer Methoden, wobei auch andere Kollegen aus Hannover, wie Prof. Flessner und Prof. Werner wesentliche Beiträge geleistet haben. Durch Unterstützung der DFG fanden im Sonderforschungsbereichen 79 der TU Hannover „Wasserforschung im Küstenbereich“ (1971-1982) bahnbrechende Entwicklungen der numerischen Methoden in der Strömungsmechanik statt, die große internationale Aufmerksamkeit fanden. So wurde am Lehrstuhl für Strömungsmechanik von Dr. Grotkop beispielsweise das weltweit erste FEM-Nordseemodell entwickelt, und Peter Holz konzipierte mit seinen Mitarbeitern ein hybrides hydraulisch-numerisches Flussmodell, dessen hydraulische Komponente in der Versuchshalle des Franzius-Instituts betrieben wurde und dessen digitales Ergänzungsmodell auf dem Holzschen Prozessrechner lief, der dieses integrierte Simulationsmodell über eine Datenfernübertragung online regelte – eine wahre Sensation. In dieser bewegten Zeit promovierte Peter Holz 1970 an der TU Hannover und habilitierte sich später 1975 für das Fach Mechanik.

Durch innovative Forschungsergebnisse und deren Präsentation auf internationalen Kongressen knüpfte er im Laufe seines Werdegangs auch Kontakte und Freundschaften zu zahlreichen ausländischen Wissenschaftlern in Europa, Asien und in Übersee. Daraus ergaben sich einige längere Forschungsaufenthalte beispielsweise an der Universität Novosibirsk in Akademgorodok, (UdSSR), der University of Waterloo (Kanada) sowie eine intensive Zusammenarbeit mit Prof. Wang von der University of Mississippi in Oxford (USA) und mit Prof. Kawahara von der Chuo-University in Tokyo (Japan). Die richtungsweisenden Forschungserfolge von Peter Holz wurden in Hannover vor allem auch durch die Einführung und Verfügbarkeit der dezentralen Institutsrechner im Bereich der Mechanik und der darauffolgenden Arbeitsplatzrechner in den 80er Jahren entscheidend bestimmt. Die Restriktionen auf den Großrechnern der Hochschulrechenzentren im Lochkarten- bzw. Terminalbetrieb entfielen. Es ergaben sich auf Workstations und Personal Computern ganz neue und individuelle Entwicklungsperspektiven für graphisch-interaktive Systeme am Arbeitsplatz und zur Konzeption leistungsfähiger numerische Modelle für die Festkörper- und Hydromechanik, verknüpft mit verschiedenen Möglichkeiten einer reaktionsschnellen und anschaulichen Verifizierung der numerischen Ergebnisse von naturnahen Simulationen. Im Jahre 1980 wurde er an der Universität Hannover als Kollege des neuen Lehrstuhlinhabers für Strömungsmechanik, Prof. Zielke, zum Professor für Elektronisches Rechnen im Bauwesen berufen. Dadurch entstanden an diesem Institut wechselseitige Synergien, welche in der Folgezeit die Wissenschaft der Numerischen Strömungsmechanik entscheidend prägten und bekannt machten. Diese wurden in besonderer Weise publik durch die 4th International Conference on Finite Elements in Water Resources, die er zusammen mit den Kollegen Zielke und Meißner im Jahre 1982 an der TU Hannover ausrichtete. Großes Renommee erzielten auch die kooperativen Forschungsarbeiten im DFG-Sonderforschungsbereich 205 der Universität Hannover „Küsteningenieurwesen“ (1983-1990).

Peter Holz nutzte damals konsequent die neuen Rechnertechnologien und Softwaremethoden für die Weiterentwicklung der Numerischen Methoden der Bauinformatik. Zusammen mit seinen Mitarbeitern wurden im Laufe der Zeit große leistungsfähige Modelle für Flüsse, Tideästuarien und Meeresgebiete entwickelt, die hochgenau die Strömungsregime und den Schadstofftransport im komplexen natürlichen Umfeld auf Arbeitsplatzrechnern simulieren konnten. Dazu war es erforderlich, einerseits die Topographie und Struktur dieser Gebiete mit graphischen Methoden und Modellen geometrisch präzise zu erfassen und andererseits die Strömungsdynamik in mechanisch-numerisch effizienten Rechenmodellen der Finite-Elemente- bzw. der Finite-Differenzen-Methoden abzubilden. Peter Holz hat es damals mit seinen Mitarbeitern in großartigem Engagement geschafft, selbst hochkomplexe Systeme, wie das Wattenmeer mit seinen trockenfallenden Gebieten, naturgetreu zu modellieren und die Strömungsvorgänge mit höchster Qualität zu simulieren. Dazu gehörte selbstverständlich auch die hinreichend genaue Erfassung der natürlichen Krafteinwirkungen sowie der Rand- und Anfangsbedingen aus Meteorologie und Hydromechanik. All das wurde bereits in den 80er Jahren in bewundernswerter Weise am Institut für Strömungsmechanik und Elektronisches Rechnen im Bauwesen an der Universität Hannover in Angriff genommen.

Peter Holz war 1984 Gründungsmitglied des Arbeitskreises Bauinformatik (http://www.gacce.de), dessen fachliche Ursprünge auf den Bauingenieur Konrad Zuse als Erfinder der ersten programmierbaren Rechenanlage Z3 zurückgehen. In Kooperation mit anderen Hochschullehrern dieses Fachgebietes hat er in vorbildlicher Weise dazu beigetragen, dass eine gemeinsame Konzeption für die Lehre und Forschung der Bauinformatik an deutschsprachigen Hochschulen entwickelt und umgesetzt wurde. Diese hatte auch entscheidenden Einfluss auf die Neugestaltung der Bauingenieurfakultäten an deutschen Hochschulen nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990. Mit seiner langjährigen Lehrtätigkeit, seit 1975 als Hochschullehrer an den Universitäten in Hannover und Cottbus, hat er die Ausbildung in der Bauinformatik nachhaltig mitbestimmt und zukunftsweisend gestaltet.

Peter Holz wurde im Jahre 1993 an die neugegründete Brandenburgische Technische Universität in Cottbus als Professor für Bauinformatik berufen. Die Annahme dieses Rufes war eine mutige und prägende Entscheidung für seinen weiteren Werdegang. Der Lebensmittelpunkt verlagerte sich nach Cottbus und an seinen neuen Wohnort in Berlin. Mit der konsequenten Erschließung der neuartigen Möglichkeiten des Internets, der Web-basierten Arbeitsmethoden und der netzbasierten, multimedialen Informationsverarbeitung wurde ein neuer Forschungsschwerpunkt in der Hydroinformatik und der Bauinformatik erfolgreich eingerichtet. Sein Fachgebiet beteiligte sich aktiv und ideenreich auch an verschiedenen Teilprojekten der DFG-Schwerpunkte „Objektorientierte Modellierung in Planung und Konstruktion“ (1991-1998) und „Vernetzt-kooperative Planungsprozesse im Konstruktiven Ingenieurbau“ (2000-2007), welche der Arbeitskreis Bauinformatik unter Leitung von Prof. Hartmann resp. Prof. Rüppel / Meißner in Kooperation mit Kollegen aus der Informatik und anderen modellorientierten Bauingenieurfächern initiiert hatte. Aufgrund seines Engagements hat er persönlich dazu beigetragen, dass die diesbezügliche Grundlagenforschung der deutschen Bauinformatik auf internationalen Kongressen erfolgreich präsentiert werden konnte und in der Fachwelt große Beachtung fand.

Gerade die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit vielen Kollegen aus der internationalen Welt lag Peter Holz sehr am Herzen und war ein Kernelement seines erfolgreichen Schaffens. Mit den Kollegen Sam Wang aus den USA und Mutsuto Kawahara aus Japan hat er die alle zwei Jahre stattfindende International Conference for Advances in Hydro-Science and -Engineering initiiert, etabliert und 1998 an der BTU Cottbus auch selbst ausgerichtet. Die Konferenz in Cottbus wurde ein krönender Erfolg mit vielen Teilnehmern aus aller Welt, die Cottbus als neues wissenschaftliches Zentrum des Computational Engineering in Deutschland entdeckten, und welcher die neue BTU international bekannt machte. Zahlreiche europäische Forschungsprojekte mit Partnern aus Frankreich, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien und Polen begründeten die Bedeutung seines Lehrstuhls in Europa und führten zu der Situation, dass mit seinen Projekten zeitweise über die Hälfte der Drittmitteleinnahmen der Fakultät für Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung eingeworben wurden. Als Wissenschaftler hat er durch seine zahlreichen Forschungsprojekte und eine überaus große Anzahl von Fachvorträgen und Publikationen national und international höchste Anerkennung erworben.

Mit den Erkenntnissen der vielseitigen Forschung entwickelte sein Lehrstuhl auch innovative Lehrinhalte und -konzepte auf europäischer und internationaler Ebene. Mit dem seit 1999 von der BTU Cottbus angebotenen Kurs HydroWeb – Web-based Collaborative Engineering in HydroSience haben seit 23 Jahren über 800 Studenten von mehr als 25 Universitäten gelernt, länderübergreifend in internationalen Teams gemeinsam über das Internet Flußmanagement-Projekte erfolgreich zu bearbeiten. Aus diesem internationalen Lehrangebot entwickelte Peter Holz mit Kollegen aus fünf europäischen Universitäten (Nizza, Cottbus, Budapest/Warschau, Barcelona, Newcastle) den Erasmus Mundus Joint Degree Master Studiengang EuroAquae – Hydroinformatics and Water Management, der seit 2004 durchgehend von der EU gefördert wird. Dieser europäische Studiengang mit mittlerweile 18 Teilnehmergenerationen und über 500 Studenten/Absolventen aus der ganzen Welt zeigt exemplarisch die umfangreichen wissenschaftlichen Leistungen von Peter Holz in der Bau- und Hydroinformatik, die von seinen zahlreichen Studenten, Mitarbeiter und Kollegen in Lehre und Praxis umgesetzt wurden und weiter fortgeführt werden. Er besaß die außerordentliche Fähigkeit, Menschen aus der gesamten Welt zusammenzuführen und für neue Ideen und Methoden und deren Umsetzung zu motivieren.

Auch nach seinem Ruhestand 2005 konnte er sein umfangreiches Wissen, seine Erfahrungen, aber auch seine Innovationskraft an der BTU Cottbus zunächst für drei Jahre als Gastprofessor und dann bis zuletzt mit Lehraufträgen, Gastvorträgen und als externer Experte mit Rat und Tat weiter einbringen. Während der langen Wirkungszeit in Hannover und Cottbus hat er sowohl national als auch international viele Kollegen und Kolleginnen maßgeblich geprägt, die heute in leitenden Positionen in Lehre, Forschung und Berufspraxis tätig sind.

Schweren Herzens nehmen wir nun Abschied und gedenken seiner Mitwirkung in großer Dankbarkeit und hoher Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen. Peter Holz, geboren am 4. Mai 1940 in Neumünster, wurde 81 Jahre alt. Als leidenschaftlicher Segler findet seine Seele nun nach der Seebestattung in Strande bei Kiel ihre ewige Ruhe in den Weiten der Ostsee, die er als Segelrevier so sehr liebte!

Udo F. Meißner, TU Darmstadt, Frank Molkenthin, BTU Cottbus-Senftenberg